Thai-Box-Turnier in Esslingen: Wieder ein absolut erfolgreiches Turnier für das Banzai Ulm

Am Samstag, den 26.11.2005, fand in Esslingen in der Schelztorhalle ein Newcomer-Thai-Box-Turnier statt. Ausrichter waren unsere Freunde vom Gravity Gym in Kirchheim unter der Leitung unseres ehemaligen Co-Trainers Stan Schmitt. In insgesamt 28 Kämpfen haben sich Thai-Boxer, die bis zum Turnier noch nicht mehr als 3 Siege erreicht hatten, aus dem gesamten süddeutschen Raum mit Gleichgesinnten im sportlichen Wettkampf gemessen. Vom Banzai Ulm gingen folgende Kämpfer an den Start: Frank, Markus, Timur, Gleb, Aleks, Toni und Bekim.

Ein besonders hartes Los hatte Frank mit seinem Gegner gezogen. Seine Gegner war rund 10cm größer als er und hatte einen deutlichen Vorteil durch seine größere Reichweite. Zwar gelang es Frank, sich seinen Gegner über weite Strecken der ersten Runde vom Leibe zu halten und durch platzierte Aktionen zu punkten, aber ab der 2. Runde spielte Frank’s Gegner seinen Größen- und Reichweitenvorteil zusehends aus und Frank versuchte im Clinch zu punkten. Letztlich unterlag Frank seinem Gegner nur knapp mit 2:1 Punktrichterstimmen.

Der zweite Kämpfer vom Banzai Ulm war Markus Zoller, der einen extrem zähen Gegner erwischt hatte. Die erste Runde konnte Markus aufgrund einer Vielzahl geschickter Kombinationen klar für sich entscheiden. In der zweiten Runde gelang es dem Gegner sich auf Markus einzustellen und er konterte seinerseits sehr clever durch einige überraschende Aktionen. Letztlich ließ sich Markus durch die Aktionen seines Gegners aber nicht aus dem Konzept bringen und nahm in der 3. Runde wieder das Heft in die Hand. Er brachte seinen Gegner mehrfach durch harte Treffer schwer in Bedrängnis und konnte letztlich den Sieg nach Punkten verdient nach Hause bringen.

Besonderes Pech hatte unser Timur, der seinen Kampf souverän begann. Auch er hatte es mit einem sehr zähen Gegner zu tun, der es geschickt verstand, sich Timurs Angriffen zu entziehen. Über weite Strecken war der Kampf ausgeglichen. In der zweiten Runde wurde Timur aber durch ein Missgeschick so unglücklich verletzt, dass er den Kampf vorzeitig aufgeben musste.

Einen technisch versierten und extrem zähen Gegner hatte auch Alex erwischt. Trotzdem unser Alex sein komplettes Repertoire ausgepackt hatte, gelang es seinem Gegner teilweise sich geschickt den Attacken von Alex zu entziehen und der Kampf ging über die komplette Distanz. Dennoch gelang es Alex mit einer Vielzahl gekonnter Kombinationen, die Deckung seines Gegners zu durchbrechen. Durch einen eindeutigen Punktsieg (3:0) konnte Alex letztlich den Kampf doch klar für sich entscheiden.

Als nächster Kämpfer des Banzai Ulm durfte Gleb den Ring betreten. Gleb konnte gleich in den ersten Sekunden die Oberhand über den Kampf gewinnen und bedrängte seinen Gegner durch harte Kombinationen, denen dieser nichts entgegen zu setzen hatte. So ging Gleb’s Gegner auch bereits in der ersten Runde zu Boden und aus der gegnerischen Ecke flog wenig später das Handtuch, um den ungleichen Kampf zu beenden.

Im vorletzten Kampf bekam es Toni mit einem extrem widerstandsfähigen Gegner zu tun. Trotz deutlicher Überlegenheit Tonis ging der Kampf über die vollen 3 Runden. Toni setzte seinem Gegner durch schnelle und harte Kombinationen bereits in der ersten Runde schwer zu und kickte seinen Gegner sogar einmal aus dem Ring. Dennoch blieb dieser standhaft und überstand die 3 Runden trotz schwerer Treffer. Die klare Überlegenheit Tonis wurde letztlich durch den klare 3:0 Punktsieg honoriert.

Auch Bekim musste bei seinem Kampf über die volle Distanz gehen. Sein Gegner konnte den harten Angriffen Bekims anfangs erstaunlich gut Stand halten, hatte ab der zweiten Runde aber zusehends Schwierigkeiten dagegen zu halten. Die Überlegenheit Bekims wurde durch den eindeutigen Sieg nach Punkten (3:0) dokumentiert. Nach einem so erfolgreichen Thai-Box-Turnier ist auch Cheftrainer Roland Maksimovic (rechts) sichtlich zufrieden.

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Die Geschichte des Muay Thai

Muay Thai ist eine sehr alte Kampfkunst. Schätzungen zufolge, ist es wohl über 2000 Jahre alt. Leider wurden bei einer burmesischen Invasion der damaligen Hauptstadt Ayuthaya im Jahre 1767 alle genauen Aufzeichnungen verbrannt, die eine Rekonstruktion der Entstehungs- geschichte des Muay Thai zuließen. Dadurch lässt sich die Geschichte dieser Kampfkunst nur teilweise nachstellen. Aus alten Inschriften weiß man aber, dass die Bewohner Siams (so der frühere Name Thailands) immer wieder gezwungen waren, sich gegen Angriffe aus Nachbarländern zu verteidigen. Durch die „acht Körperwaffen “ (2 Fäuste, 2 Beine, 2 Ellenbogen, 2 Knie) des Muay Thai hatten die Kämpfer Siams die Möglichkeit, sich auch nach dem Verlust der Waffen (wie z.B. Schwert oder Schlagstock) effektiv zu verteidigen. Dass die Einwohner Thailands oder des früheren Siams mutige und tapfere Kämpfer waren, beweist allein die Tatsache, das Thailand (Siam) nie kolonialisiert oder länger besetzt werden konnte. Zwar drangen immer wieder Nachbarvölker (z.B. aus Burma oder Laos) in das Land ein, aber die mutigen Thais konnten diese immer wieder vertreiben.

Ursprünglich stammt das Thai-Volk wohl aus dem Südwesten des heutigen Chinas. Aus dieser Region führten es Völkerwanderungen zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert in die nordwestliche Region des heutigen Thailands. Wahrscheinlich existierte damals bereits eine Urform des Muay Thai, die es den Thais ermöglichte, sich erfolgreich zu verteidigen. Anfang des 13. Jahrhunderts lehnten sich zwei Thai-Prinzen in der Stadt Sukhotai (im Norden Thailands gelegen) gegen die dort ansässigen Khmer auf. Dieser Aufstand führte zur Vertreibung der Khmer aus Sukhotai.

Um 1238 bestieg dann der noch heute verehrte Indratitya den Thron von Sukhotai – unter seiner Herrschaft gewann Sukhotai immensen Einfluss und die Stadt sollte letztlich maßgeblich für die Gründung von Siam werden. Unter der Herrschaft der Thronfolger Indratityas wurde das erste thailändische Großreich gegründet, dass sich etwa mit den heutigen Landesgrenzen deckt.

Unter dem dritten König der Sukhotai- Dynastie, König Rham Khamheng, vergrößerte sich Thailand in Richtung der Nachbarstaaten Burma und Laos. Um das Land wirksam verteidigen zu können, rief Rham Khamheng Muay Thai-Meister aus allen Teilen des Landes zusammen. Sie sollten ein effektives Kampfsystem entwickeln und seine Armee ausbilden.

Um 1350 wurde unter dem Fürsten U Thong, auch Rama Thiboldi I genannt, das Königreich Ayuthaya mit seiner gleichnamigen Hauptstadt gegründet. Bis Mitte des 15. Jahrhunderts wurde Sukhotai mit seinen dazugehörigen Provinzen schrittweise annektiert. Lange Zeit konnte sich das Königreich Ayuthaya der Bedrohung durch die Birmesen im Westen widersetzen, bis im Jahre 1569 birmanische Krieger die Hauptstadt einnahmen und Ayuthaya zur birmanischen Provinz wurde.

Der Sohn des von Birma eingesetzten Marionettenherrschers mit Namen Mahathamaratcha, der thailändische Prinz Narasuen der Große, floh aus birmesischer Geiselhaft und organisierte den Widerstand gegen das Diktat aus Birma. In mehreren Feldzügen gelang es ihm, die Birmesen zu vertreiben. Letztlich zogen die Birmensen ab, nachdem Prinz Narasuen den Führer der Birmesen im Zweikampf (der legendäre Sieg von Nong Saray) besiegt hatte. In den Berichten über diesen Kampf wird erstmals der Begriff Muay Thai verwendet. Im Jahre 1590 bestieg Prinz Narasuen den Thron Thailands.

Bis ins 17. Jahrhundert herrschte Frieden und Wohlstand im Lande und der Handel mit Europa nahm seinen Lauf. Ayuthaya wurde zu einer der blühendsten und wohlhabendensten Städten des fernen Ostens. Die Könige Ayuthayas waren sich der Macht des Muay Thai bewusst und förderten dessen Studium und Weiter- entwicklung am Hof. Die Kampftechniken wurden verfeinert und die effizientesten Techniken der verschiedenen Stil- richtungen kombiniert. Einige Könige übten sich selbst intensiv im Muay Thai. Beispielsweise ist überliefert, dass der thailändische König Pra Chao Sua (König Tiger) Muay Thai so sehr schätzte, dass er, um seine Fähigkeiten zu testen, verkleidet zu Dorffesten reiste und dort in Kämpfen die besten Athleten besiegte.

Im Jahre 1767 fiel Ayuthaya jedoch doch den Birmesen zum Opfer und brannte bis auf die Grundmauern nieder. In den Flammen gingen leider auch die Archive von Ayuthaya auf und die meisten Aufzeichnungen über die Geschichte Thailands und die des Muay Thai gingen verloren. Viele Thais wurden damals von den Birmanen versklavt. Der Legende nach fragte der birmanische König bei einer Feier am 17. März 1770 die gefangenen Thais, wer von ihnen gegen Birma kämpfen wolle. Der Thai Nai Kha Nom Tom trat an und besiegte hintereinander die zehn besten birmanischen Kämpfer. Als Auszeichnung wurde ihm von den Birmanen ein Wunsch freigestellt, woraufhin Nai Kha Nom Tom seinem Wunsch gemäß nach Thailand zurückkehrte. Der 17. März wird deshalb bis heute als Tag des Muay Thai gefeiert.

Einen Unterbefehlshaber der Thai mit Namen Phaya Tak (Taksin) gelang die Flucht. Er vereinte die versprengten Truppenteile der thailändischen Armee und begann mit der Rückeroberung Thailands. In nur zwei Jahren ist es ihm und seiner Armee gelungen, das Land wieder in den Landesgrenzen zur Ayuthaya-Zeit zu vereinen. Taksin machte die Stadt Thonburi zum Regierungssitz. Im Jahre 1781 wurde Taksin, der zwischenzeitlich dem Wahnsinn verfallen war, durch seinen Offizier Phraya Chakri abgelöst und 1782 hingerichtet. Phraya Chakri bestieg als König Rama I. den Thron und verlegte Hauptstadt und Regierungssitz nach Bangkok, wo die Chakri-Dynastie bis heute das Königreich Thailand regiert.

Im Wesentlichen verdankt Thailand seine Unabhängigkeit gegenüber dem britischen und französischen Kolonialisierungsdrang den Chakri-Herrschern König Mongkut (Rama IV.) und König Chulalongkorn (Rama V.). Diesen beiden Königen gelang es auch, ein starkes Nationalbewusstsein in der Bevölkerung zu bilden, das bis heute unter den Thailändern in Bezug auf die Unabhängigkeit ihres Landes, der Traditionen und der Kultur anhält. Konzentrationspunkt des Nationalbewusstseins ist der König, der auch in heutiger Zeit (König Bhumipol als Rama IX.) den Respekt aller Thai genießt. In der Sprache der Thailänder heißt ihr Land Muang Thai, gleichbedeutend mit Land der Thai oder Land der Freien ist. Der Name Thailand wurde erstmals 1939 als offizielle Landesbezeichnung für das bis dahin von den Europäern als Siam bezeichnete Land verwendet.

Die Geschichte Thailands ist von dem Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit geprägt. Der Kampfsport Muay Thai verlor zu Lasten modernerer Verteidigungsformen und fortentwickelter Waffen während des 19. und 20. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung, jedoch ist er für das Selbstbewusstsein der Thai nach wie vor von großer Bedeutung.

Muay-Thai, das nach dem Zweiten Weltkrieg nach Einführung fester Regeln immer mehr an Bedeutung gewann, wird stets als Vollkontakt-Kampfsport ausgeführt. Es entstand eine Vielzahl an einzelnen unabhängigen Verbänden, die stets miteinander im Streit lagen. Diese Streitigkeiten fanden erst ein Ende, als die Regierung 1995 den World Muay Thai Council (WMTC) gründete. Weltweit unterstehen nun alle Muay-Thai-Verbände dem WMTC, der berechtigt ist, Verbote und Zulassungen auszusprechen. Der erste offizielle Titelkampf wurde unter den Champions der beiden größten Stadien -Lumpini und Rajadamnern- am 26.06.1995 ausgetragen.